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Lauthals leben

Donnerstag, 9. Mai 2019
19:00 Uhr

Lotte ist nicht anders, Lotte ist einfach Lotte. Das sagt Julia Latscha über ihre dreizehnjährige Tochter, die aufgrund eines Sauerstoffmangels bei der Geburt schwerstbehindert ist. Große Teile ihres Gehirns wurden irreversibel zerstört. Lotte macht vor allem eins: Sie brüllt – und zwar Tag und Nacht. Das Leben mit ihrer besonderen Tochter ist für Julia Latscha alles andere als einfach und bringt sie an die Grenzen ihrer physischen und psychischen Belastbarkeit. Und dann ist da auch noch Kasimir, der drei Jahre jüngere Bruder, um den sich die mittlerweile alleinerziehende Mutter auch noch kümmert.

Offen und warmherzig schildert Julia Latscha ihr Leben, das ein permanentes Ringen um Normalität ist. Eine Normalität, die es nicht gibt. Ständige Therapien, der Dauerstreit mit Ämtern und der Krankenkasse, die Suche nach einer geeigneten Schule und die Organisation von Einzelfallhelfern und längerfristigen Betreuern – um Themen wie diese dreht sich der Alltag mit einem schwerstbehinderten Kind.

Doch Julia Latscha gibt sich nicht zufrieden mit der Rolle der bemitleidenswerten Mutter am Rande der Gesellschaft. Mutig begibt sie sich auf abenteuerliche Reisen mit Lotte – auf eine Pilgerfahrt nach Lourdes und zu Schamanen in die Mongolei. Neben der bestmöglichen Fürsorge für Lotte kämpft sie um ihr eigenes Lebensglück. Und um Offenheit in einer Gesellschaft, in der es immer noch viel zu viele Vorbehalte und Berührungsängste gegenüber Menschen mit Behinderung gibt.

Julia Latscha, geboren 1975, arbeitete neben ihrem Studium als Physiotherapeutin in einer Kinderpraxis. Nach der Ausbildung spezialisierte sie sich auf die Therapie für Kinder mit neurologischen Auffälligkeiten. Nach der Geburt ihres zweiten Kindes schloss sie ihr Philosophiestudium ab und wechselte beruflich in den Bildungsbereich. Heute lebt sie mit ihren beiden Kindern in Berlin.

Die Lesung findet im Speisesaal der Max-Reger-Schule, Bad Windsheim statt.